„Ketten bewegen die Welt“

Am 05.02 stand für uns TUMKollegiaten der Besuch der Firma iwis, einem international agierenden Kettenhersteller an. Da wir uns anfangs nicht viel unter einem Kettenhersteller vorstellen konnten – teilweise hegten wir die Vermutung, es handle sich um einen Schmuckhersteller – wussten wir zu Beginn nicht wirklich, was uns erwartete. Um so größer war die Freude über die gute Organisation des Tages und die Tiefe der Einblicke, die wir in das Unternehmen und seine Geschichte bekamen. Die Vorträge und Führungen gehören mit Abstand zu den besten des vergangenen letzten halben Jahres.

Unser Tag bei iwis begann morgens vor einem unscheinbaren Gebäude in München. Nachdem wir uns alle zusammengefunden hatten, wurden wir mit eigens für das TUMKolleg erstellten Besucherausweisen ausgestattet und zu einem Vortragssaal geführt, wo wir von Claudia Hahn und Andreas Eppeneder empfangen wurden. Auf dem Weg dorthin war schnell klar: iwis ist ein Kettenhersteller aus Leidenschaft. Das machte sich unter anderem durch die großen mit Ketten verzierten Lampen in den Treppenhäusern und den Kettenvorhängen in vielen der Räume bemerkbar.

Daraufhin erzählten Frau Hahn und Herr Eppeneder viele sehr interessante Dinge über iwis und dessen Geschichte. So wurde iwis, dass früher noch Jwis hies, schon im 19. Jahrhundert von dem Namensgebenden Johann B. Winklhofer gegründet. Über die Jahre wurde das Unternehmen dann immer größer und bekannter und wurde von Generation zu Generation weitergereicht. In dieser langen Traditionsgeschichte entwickelte sich die Firma stetig weiter und gelangte über die Zeit zu dem Ruf, eine extrem hohe Qualität zu liefern. Unter anderem dank dieser Qualität kann iwis heute stolz von sich behaupten, dass es quasi jeden größeren Automobilhersteller beliefert. Auch Branchen wie die Lebensmittelindustrie oder die Landwirtschaft können auf die Produkte der Marke nicht mehr verzichten.

Als wir dann alles Wissenswerte über iwis und dessen heutige Tochtergesellschaften erfahren hatten, kamen wir zu einem der Highlights des Tages: der Werksführung. Leider durften wir während dieser zum Schutze der Unternehmensgeheimnisse keine Bilder machen. Noch vor Beginn der Führung wurde noch einmal unterstrichen, wie wichtig iwis die Qualität ihrer Produkte und die Zufriedenheit der Kunden ist und dass es deswegen nicht erlaubt sei, Kettenteile oder andere Produktionsgüter anzufassen. In der Produktion angekommen wurde uns dann das Ausmaß und die Größe des anfangs so unscheinbaren Gebäudes bewusst. Wir wurden durch große Fabrikhallen mit Dutzenden von Maschinen und Mitarbeitern geführt und konnten Hallen voll fertiger Ketten bestaunen.

Anschließend hielt Dr. Thomas Wolf einen Vortrag über Produkte und Trends in der Antriebstechnik.
Er begann jedoch mit einem ganz aktuellen Thema, dem Corona-Virus, das zurzeit auch iwis betrifft.
Das Unternehmen hat nämlich mehrere Standorte in China, unter anderem das Werk Suzhou. Hier gab es zwar bisher noch keinen Corona-Fall, die Gefahr besteht aber dennoch. Deshalb müssen alle Arbeiter, die zur Feier des chinesischen Neujahrs bei ihren Familien waren, zwei Wochen in Quarantäne verbringen, bevor sie wieder arbeiten dürfen. Der Grund dafür ist simpel: Wenn auch nur ein einziger Arbeiter bei iwis das Corona-Virus hätte, müsste das ganze Werk vorübergehend stillgelegt werden, damit es sich nicht ausbreitet. Da somit die Produktionskette für einige Zeit unterbrochen würde, hätte dies einen erheblichen finanziellen Schaden zur Folge.

Nun kam Dr. Wolf aber zum eigentlichen Thema des Vortrags, nämlich Ketten. Die ersten Formen von Ketten konnten schon 16 v. Chr. gefunden werden, natürlich in einfacher Form, im Zuge der Erfindung der Dampfmaschine spielten sie dann schon eine wichtigere Rolle. Heute sind Ketten nicht mehr aus der Industrie wegzudenken. Sie werden bei Landmaschinen, Lebensmittel- und Verpackungsherstellung, Logistik, medizinischen Geräten, und vielen weiteren Anwendungen genutzt. Daraus folgt eine immense Bandbreite an verschiedensten Ketten, die iwis herstellt. Hiervon stellte Dr. Wolf uns einige etwas näher vor.
Bei modernen Fenstern, die sich automatisch öffnen und schließen lassen, werden leicht biegsame Schubketten genutzt, mit denen man sich zwei ziemlich teure Gelenke spart.
Auch unter den Förderbändern eines Running-Sushi-Restaurants steckt eine Kette, und zwar die Plattenkette, auf der die Teller befördert werden.

In der Holzverarbeitung wird ebenfalls viel mit Ketten gearbeitet. Diese ermöglichen es, Baumstämme in Sägewerken leicht zu transportieren und zu wenden.
Zu den wichtigsten Anwendungen zählen jedoch die Landmaschinen. So wird beispielsweise bei Fahrzeugen zur Maisernte eine spezielle Kette verwendet, die den Anteil des Ertrags, der auf dem Feld bleibt, weil die Maschine ihn nicht aufnehmen kann, von 30% auf 10% reduziert.
Als Nächstes sprach Dr. Wolf über die aktuellen Entwicklungen und Trends in der Kettenherstellung, den Klimawandel und Industrie 4.0.
In Zeiten der globalen Erwärmung versucht iwis einerseits, die Produkte durch längere Haltbarkeit und Effizienz nachhaltiger zu gestalten. Andererseits spielt die Produktion der Ketten natürlich eine große Rolle. Auch hier ist iwis daran bemüht, die Schadstoffemissionen möglichst gering zu halten.
Bei Industrie 4.0 geht es darum, Produktionsmaschinen miteinander zu verknüpfen, sodass diese eigenständig kommunizieren können. Dies eröffnet ganz neue Möglichkeiten in der Industrie. Durch die Automatisierung der Produktion kann diese beschleunigt und Fehler vermieden werden. Falls doch welche auftreten sollten, kann die Fehlerquelle schneller identifiziert werden, da sämtliche Arbeitsschritte besser erfasst werden.

Nach diesem informativen Vortrag folgte der letzte Programmpunkt, bei dem wir selbst aktiv wurden. Unsere Aufgabe war es, anlässlich des bevorstehenden Valentinstages einen Rosenkavalier zu bauen. Hierfür erhielten wir einen Standfuß, drei Blechstücke, eine Holzkugel als Kopf, mehrere Schrauben, eine Lampe, Kabel, eine Batterie, ein Reagenzglas sowie eine Kunstrose.
Nach dem Zusammenschrauben der Figur und dem Löten der Drähte hielt jeder von uns einen fertigen Rosenkavalier in den Händen, dessen Herz bei Knopfdruck schlug.

Somit ging der letzte spannende Tag des Studium Generale zu Ende. In den kommenden Wochen und Monaten werden wir uns nun unseren Forschungsarbeiten und Auslandspraktika widmen.

Dzenan Jupic und Leonhard Thume