Am Mittwoch, den 14.12.2016, besuchte das TUMKolleg das Universitätsklinikum „Rechts der Isar“ der TU München. Nach einer kurzen Begrüßung stellte uns Frau Dr. Raulefs kurz ihr Forschungsgebiet, den Pankreas, vor. Der Pankreas bzw. die Bauchspeicheldrüse bildet wichtige Hormone und Verdauungsenzyme. Menschen können an einem sogenannten Pankreaskarzinom bzw. Bauchspeicheldrüsenkrebs erkranken, das oft erst sehr spät entdeckt wird. Am Klinikum „Rechts der Isar“ wird aktuell Pankreas-Grundlagenforschung betrieben, langfristiges Ziel ist es jedoch eines Tages Pankreaskarzinome frühzeitig diagnostizieren zu können.

Wie diese Pankreasforschung betrieben wird, erfuhren wir in Kleingruppen im Labor bei Frau Dr. Raulefs und Medizinstudenten. Geforscht wird an Mäusen, die die verschiedenen Entwicklungsstufen von Pankreaskarzinomen widerspiegeln. Hierzu werden Labormäuse künstlich mit Pankreaskarzinomen „infiziert“. Anschließend wird der Pankreas der Mäuse in einem speziellen Verfahren für genauere mikroskopische Untersuchungen vorbereitet. Dieses Verfahren durften wir selber ausprobieren. Zunächst wird der entnommene Mäusepankreas in Paraffin-Wachs eingebettet. Nach dem Aushärten des Wachses werden, mit Hilfe eines rotierenden Messers, hauchdünne Scheiben des sich im Wachsblock befindlichen Mäusepankreas abgeschnitten. Anschließend wird der Schnitt auf einen Objektträger aufgezogen, das Wachs entfernt und die Proben mittels HE-Färbung angefärbt. Dabei macht man sich die Einzigartigkeit von Antikörpern zu Nutze. An diese werden Enzyme gekoppelt, die später sichtbar gemacht werden können. Da unterschiedliche Antikörper an unterschiedliche Zellen bzw. deren Antigene binden, können so bestimmte Gewebebereiche gezielt sichtbar gemacht werden. Mittels Mikroskop konnten wir dadurch eindrucksvoll gesunde Pankreaszellen von Krebszellen unterscheiden (vgl. Abbildung 1). Im Anschluss durften wir noch das Pipettieren mit manuellen Mikroliterpipetten üben, z. B. in die Taschen von Gelelektrophorese-Platten (vgl. Abbildung 2).

 

Abbildung 1

Abbildung 2

 

Außerdem besuchten wir in Kleingruppen die Endoskopie-Station mit Frau PD Dr. Bachmann, Dr. Calavrezos und Prof. von Delius. Dort durften wir bei einer Magenspiegelung einer Patientin zusehen, die Probleme mit dem Magenschließmuskel und somit häufiges Sodbrennen bzw. Reflux hat. Ihr wurde unter Vollnarkose ein Gastroskop durch den Mund eingeführt. Dieses besitzt verschiedene Funktionen, die wir im Anschluss an einem aufgeblasenen Einweghandschuh ausprobieren durften. Das Gastroskop verfügt über eine Lampe, eine Kamera, ein Pumpe (um z. B. den Magen für Untersuchungen mit Gasen aufzublähen) und eine Absaugfunktion. Ferner durften wir bei einer Darmspiegelung und einer Untersuchung des Magen-Darm-Traktes mittels Endoskopes zusehen. Im Anschluss besichtigten wir noch den Aufwachraum, in den die Patienten, die vorher ein Narkose- bzw. Schlafmittel erhalten haben, nach der Untersuchung für einige Zeit zum Aufwachen gebracht wurden. Dort werden permanent die Vitalfunktionen der Patienten kontrolliert. Auch hier durften wir verschiedenen Geräte selber ausprobieren, z. B. ein Pulsmessgerät oder ein Gerät zur Messung der Sauerstoffsättigung des Blutes. Außerdem erläuterte uns Frau Dr. Bachmann vieles über den Einsatz, die Dosierung, aber auch die Risiken und mögliche Nebeneffekte verschiedener Narkosemittel.

Die dritte Station, die wir an diesem aufregenden Tag besuchten, war das „Skill-Lab“ sowie den OP bei und mit Herrn Dr. Neumann und Frau Dr. Prokopchuk. Im „Skill-Lab“ hielt Herr Dr. Neumann zunächst einen kurzen Vortrag zum Thema Chirurgie. Danach durften wir an Modellen aus Schaumstoff und mit Hilfe von echten Chirurgie-Werkzeugen und Nähutensilien das Nähen verschiedener Wunde üben (vgl. Abbildung 3). Außerdem übten wir mittels Kamera und verschiedenen Chirurgie-Werkzeugen Plastikringe, die sich in einem dem menschlichen Oberkörper nachempfundenen Modell befanden, auf verschiedene Nägel, die auf einer Platte befestigt waren, zu legen (vgl. Abbildung 4).

 

Abbildung 3

Abbildung 4

 

Danach folgte für viele von uns das absolute High-Light des Tages: die Besichtigung eines OPs. Dafür mussten wir uns komplett mit OP-Klamotten einkleiden und einen Mund- und Haarschutz anziehen. Auf der Station sahen wir zum Beispiel, wie Patienten umgebettet wurden. Über eine Art Schleuse ging es in den OP. Dort wurde gerade ein Patient operiert, der einen Narbenbruch erlitten hatte. Über Bildschirme und auf Zehenspitzen konnten wir den Ärzten direkt beim Operieren zusehen. Sie hatten einen Teil der Bauchdecke entfernt, um den Patienten optimal operieren zu können. Im Anschluss legten sie in das „Loch“ in der Bauchdecke eine Art Schwamm, um die Wundheilung der Bauchdecke zu unterbinden und dadurch den Patienten in einigen Tagen erneut versorgen zu können. Danach trafen sich die Kleingruppen noch zu einer kurzen Evaluation des rundum gelungenen Tages und im Anschluss machten wir uns auf den Heimweg nach Garching bzw. Gauting.

Alles in allem hat uns der Tag im Klinikum „Rechts der Isar“ ausgesprochen gut gefallen und wir möchten uns noch einmal herzlich bei allen Menschen bedanken, die sich so viel Mühe gemacht haben, um uns diesen einmaligen Tag zu ermöglichen.

Kaspar Winter und Lisa Clausen-Schaumann