Am 22. Februar besuchten die TUMKollegiatinnen und TUMKollegiaten des Jahrgangs 16/18 die zweite Veranstaltung zu wissenschaftlichem Schreiben an der TUM School of Education. Anschließend wurde ihnen die Fakultät selbst vorgestellt – zunächst theoretisch, dann durch Workshops zu Mathematikdidaktik und Ergonomie.

Da die meisten Schülerinnen und Schüler bereits ein Forschungsthema gefunden hatten, konnte im Teil zum wissenschaftlichen Schreiben, geleitet von Frau Heininger, bereits Vorarbeit für die anstehende Forschungsarbeit geleistet werden, beispielsweise durfte jeder eine Forschungsfrage formulieren. Die Forschungsfrage ist einer der bedeutendsten Teile der Arbeit, da sie das Thema präzise formuliert, womit sie eine zielgerichtete Arbeit erst überhaupt möglich macht.
Mit der Forschungsfrage hängt die Hypothese eng zusammen, also die eigene, vermutete Antwort. Am Ende der Arbeit wird die Hypothese entweder falsifiziert, also verworfen oder verifiziert, also bestätigt worden sein.
Ebenfalls wurde gutes Studiendesign, am Beispiel des berühmten Milgram Experimentes, vorgestellt. Neben der Betrachtung des eigentlichen Experimentes, wurden auch die ethischen Aspekte besprochen. Obwohl der Nutzen des Experimentes außer Frage steht, mussten die Menschen, die am Experiment teilgenommen haben, mit dem Bewusstsein leben, dass sie in der Lage wären jemanden zu töten. Heute wäre ein solches Experiment nicht mehr möglich, da alle Versuche mit Menschen erst von einer Ethikkomission genehmigt werden müssen.
Als nächstes stellte Frau Heininger die wichtigsten Aspekte des wissenschaftlichen Arbeitens vor und die Aufgaben die eine Forschungsarbeit erfüllen muss. Abgesehen von der Vorstellung der eigenen Ergebnisse, muss es diese nämlich auch ermöglichen, eine Studie exakt zu replizieren, damit unabhängige Quellen die Wahrhaftigkeit getroffener Aussagen bestätigen oder die Herangehensweise kritisieren können.
Zuletzt hat jeder einen Zeitplan für seine Forschungsarbeit erstellt. Obwohl bis zum Abgabetermin noch acht Monate bleiben, wurde klar, dass die Zeit trotzdem relativ knapp ist.

Im zweiten Teil dieses Tages stellte Frau Dr. Möhringer, die auch Schirmherrin des TUMKollegs ist, uns die TUM School of Education vor, also die Fakultät, die für die gesamte Lehrerbildung an der TUM verantwortlich ist, anders als bei vielen anderen Universitäten, wo diese auf alle Fakultäten verteilt ist, an denen man, im entsprechenden Fach, Lehramt studiert. Die Ausgliederung in eine einzige Fakultät gewährleistet, dass die pädagogische Ausbildung gleichrangig mit der fachlichen vermittelt wird.
Die Grundlage für kompetente Lehrerbildung bildet die Bildungsforschung, mit der sich ebenfalls an der TUM School of Education befasst wird. Uns wurden einige Fragestellungen aus diesem Gebiet präsentiert, beispielsweise womit man Schülerinnen und Schüler motivieren kann oder welche Auswirkungen Hausaufgaben auf den Lernprozess haben. Oft wird das gesamte Bildungssystem betrachtet: zum einen das Individuum, also die Schülerin oder der Schüler, aber auch die Schulklasse, der Kontext, also beispielsweise die Schule oder die Familie, und die Gesellschaft. Die  Präsentation hat uns gezeigt, wie komplex die zunächst einfach scheinende Frage – Wie gestaltet man Bildung am besten? – wirklich ist und wie viel Aufwand stetig betrieben wird um das Bildungssystem zu verbessern.

Nach einer Mittagspause folgte der letzte Teil des Tages. Wir wurden in 3 Gruppen aufgeteilt, die durch die 3 Workshops durchzirkulierten.
Im ersten Workshop befassten wir uns mit Ergonomie, genauer gesagt mit den optimalen Bedingungen, wie Temperatur, Beleuchtung, Windgeschwindigkeit, Lautstärke etc., die in einem Klassenzimmer herrschen sollten. Nach einem kurzen theoretischen Einstieg, haben wir uns, mit Messgeräten ausgestattet, auf die Suche nach einem optimalen Lernort im Fakultätsgelände gemacht. Ein guter Kandidat war der Aufzug, obwohl der CO2 Gehalt etwas hoch war.
Im zweiten Workshop wurden wir mit der Aufgabe konfrontiert zu überlegen, wie man jemandem die Rechnung 1/3 + 1/4 erklärt. Als Hilfsmittel hatten wir ein Blatt Papier und eine Schachtel voller Kreissegmente. Obwohl die Rechnung selbst einfach ist, ist die Erläuterung des Prinzips des Erweiterns überraschend anspruchsvoll. Dies hat uns gezeigt, wie schwer die Vermittlung von Wissen ist, auch wenn man es selbst beherrscht, was ja schließlich eine Aufgabe eines jeden Lehrers ist.
Im dritten Workshop haben wir an uns selbst eine Studie zur Bruchrechnung durchgeführt und ausgewertet. Die Antworten wurden in verschiedene Kategorien aufgeteilt. Jeder Antworttyp bekam eine Nummer, zum Beispiel hat eine Richtige Antwort bei der das Erweitern verwendet wurde eine andere Nummer bekommen, als eine Richtige Antwort bei der die Nenner verglichen wurden. Die Nummern wurden dann in den Computer eingepflegt, was unter Anderem gezeigt hat, dass wir überwiegend „feature based“ Strategien verwendet haben, also solche bei denen man Eigenschaften der Zahlen erkennt, im Gegensatz zu „rule based“, bei denen man einen Algorithmus anwendet. Anschließend wurde uns eine Lernsoftware gezeigt, die in einer Klasse angewandt wurde. An dieser Klasse wurde mit den Fragen die wir beantwortet haben auch eine Studie durchgeführt. Man konnte erkennen, dass viel mehr „feature based“ Strategien angewandt wurden als in der Vergleichsgruppe.

Somit hat uns dieser Tag einen interessanten Einblick in die Welt der Bildungsforschung gebracht.