Am Mittwoch besuchte das TUM-Kolleg die Fakultät für Medizin im Klinikum rechts der Isar und bekam einen spannenden Einblick, insbesondere in die Chirurgie.

Unser Aufenthalt begann mit einem Vortrag im Seminarraum, wo zunächst der genaue Tagesablauf bekannt gegeben wurde.

PD Dr. Jeannine Bachmann und Prof. Marc Martignoni verdeutlichten die Wichtigkeit von Schutzmaßnahmen, wie gründliche Handdesinfektion und Tragen eines Mundschutzes, die der Übertragung von Krankheiten vorbeugen sollen.

Außerdem wurde angesprochen, dass die Anordnung der Operationsinstrumente im OP-Saal eine große Rolle spielt, damit nach der OP alles problemlos gezählt und überprüft werden kann, ob sich noch eines der Instrumente im Patienten befindet. Um dies zu vereinfachen, wird momentan daran gearbeitet, die Werkzeuge mit RFID-Chips zu versehen, sodass ihre Position im Körper des Operierten über Computer bestimmt werden kann.

Zusätzlich wurde angesprochen, dass momentan daran geforscht wird, dem operierenden Arzt selbst die Möglichkeit zu geben, mittels Augenbewegung die Kamerasteuerung für Operationen zu übernehmen.

Mit dieser Einführung bekamen wir Anreize für Themen unserer Forschungsarbeit, welche freundlicherweise mitunter im Klinikum rechts der Isar geschrieben werden kann.

In kleinere Gruppen geteilt, durchliefen wir nacheinander drei Stationen, die Endoskopie, die OP und das Skills lab, durch welche wir von PD Dr. Jeannine Bachmann, Prof. Marc Martignoni, Dr. Prokopchup und Dr. Neumann geführt wurden.

Endoskopie bedeutet Spiegelung und dabei werden in einem kleinen chirurgischen Eingriff bestimmte Körperhöhlen und Hohlorgane untersucht, indem das Endoskop beispielsweise durch den Mund in den Körper geführt und das entstehende Bild vom Körperinneren auf einen Bildschirm übertragen wird.  Dabei stehen die Patienten unter dem Einfluss des Narkosemittels Propofol. Während des Eingriffs werden über Monitor Blutdruck, Herzfrequenz und Sauerstoffsättigung überwacht. Beim ersten Patienten, dessen Behandlung wir beobachten durften, sollte die Speiseröhre erweitert werden, da er unter Schluckbeschwerden und Essproblemen litt. An der Engstelle wurde die Speiseröhre aufgedehnt, sodass ein Einriss der Schleimhaut entstand. Bei einem weiteren Patienten wurden Gewebeproben aus dem Magen entnommen, um diese auf Bakterien zu untersuchen und damit eine vermutete Entzündung nachzuweisen. Anschließend durften wir noch die Ultraschalluntersuchung einer Bauchspeicheldrüse mitverfolgen, welche Pankreassonographie genannt wird. Dabei kann die anatomische Struktur der Bauchspeicheldrüse beurteilt werden und der Blutfluss durch das Farbdopplerverfahren sichtbar gemacht werden. Die Farben blau und rot zeigen dann an, ob sich das Blut auf den Schallkopf zubewegt, oder sich davon entfernt.  Mithilfe dieses Verfahrens können Durchblutungsstörungen festgestellt werden.

Nach einem leckeren Mittagessen ging es für unsere Gruppe weiter in den OP-Bereich. Dafür mussten wir zunächst Operationskleidung, nämlich Kittel, Mundschutz, Haube und spezielle Schuhe anlegen. Dann durften wir zusehen, wie ein Darm zurückverlegt wurde. Dies war notwendig, da zuvor aufgrund eines Darmverschlusses ein temporärer, künstlicher Darmausgang gelegt werden musste. Der andere Teil unserer Gruppe sah eine Gallenblasenentfernung, bei der diese durch einen minimal-invasiven Eingriff entfernt werden sollte, da der Verdacht auf Gallensteine bestand. Jedoch stellte sich heraus, dass es sich um Polypen handelte, welche die Beschwerden verursacht hatten.

Als nächstes waren wir im Skills lab, wo wir unter Verwendung von originalen Operationsinstrumenten eine Wunde an einem Schaumstoffmagen vernähen durften. Dabei unterstützt in der Regel ein Assistent den Nähenden. Verwendet werden eine gebogene Nadel, ein Nadelhalter und eine Pinzette und nach jedem Stich werden die Fadenenden verknotet. Interessant waren auch die Preise der Instrumente, beispielsweise der des Nadelhalters, welcher in nicht sterilisierbarer Form, also als Einmalmodell zum anschließenden Entsorgen 28 Euro kostet. Dieser ist trotzdem wirtschaftlicher, da das sterilisierbare und somit wiederverwendbare Modell 500-700 Euro kostet und die Sterilisation teuer ist.

Am Ende des sehr spannenden Tages trafen sich alle erneut im Seminarraum, wo wir aufgefordert wurden, im Ernstfall Verletzen immer zu helfen – selbstverständlich unter Beachtung des Selbstschutzes.  Dabei soll nach der ABC-Regel vorgegangen werden, die beinhaltet, die Atemwege des Patienten freizumachen (A für airways), anschließend zu überprüfen, ob überhaupt Atmung vorhanden ist (B für breathing) und ihn gegebenenfalls durch Herzdruckmassage und Beatmung zu reanimieren. Es bedarf einer schnellen Handlung, da ein Mensch bereits nach circa zwei Minuten erstickt.  Der Verletzte muss in die stabile Seitenlage gebracht und die Blutung gestoppt werden,  indem die Wunden durch beispielweise einen Finger oder Gürtel verschlossen werden  (C für circulation).

Wir möchten uns nochmal bei allen Beteiligten für dieses absolute Highlight und den umfassenden Einblick in einen Teilbereich der Arbeit des Klinikums rechts der Isar bedanken. Der Tag hat uns allen sehr viel Spaß gemacht, uns die Medizin näher gebracht und war sehr lehrreich.

Lea und Sophie Unz