Praktikumszeitraum:          9. bis 27. Juli 2018

Betreuer:                             Woche 1: Arpad Iosza
Woche 2: Raluca Tunea
Woche 3: Florin Ciocan

Besuchte Abteilungen:      Woche 1: Presales
Woche 2: Mobile Networks Testing
Woche 3: Nokia Technology Center („Garage“)

Timişoara:

Timişoara lässt sich im Zentrum kaum von westlichen Städten unterscheiden, besonders Wien sieht es aufgrund der gemeinsamen Geschichte sehr ähnlich. Die große orthodoxe Kathedrale, die Oper und viele ehemalige Herrenhäuser schmücken die große Fußgängerzone. Sollte man diese jedoch verlassen, fällt auf, dass bisher nur das Zentrum renoviert wurde und den restlichen Bereichen die kommunistischen Jahre deutlich angesehen werden können. Das Klima ist sehr mediterran, somit ist es während der Mittagszeit teils sehr unangenehm die gekühlten Räume zu verlassen.

Unterkunft:

Meine Unterkunft, das Hotel Savoy, lag 5 Minuten zu Fuß vom Stadtzentrum entfernt. Dies ermöglichte mir eine breite Auswahl an verschiedenen Restaurants, Pizzerien und Fastfood Läden als Abendessen. Auch das Angrenzen der Bega, dem Fluss der Stadt, der dort etwa die Größe der Isar in München hat, bot eine angenehm kühle Joggingstrecke. Die vielen Parks ermöglichten mir eine entspannte Freizeit außerhalb des Hotels. Zur Nokia Niederlassung lief ich etwa 13 Minuten an der Bega entlang.

Woche 1:

Zunächst stand eine grundlegende Einführung in die Mobilfunk Technik an. Sowohl der Weg von Daten als auch von Telefongesprächen vom Handy über das „Access-Network“ ins „Core-Network“ wurde erklärt. Da mein Betreuer ein Mitarbeiter der Mobile-Networks-Abteilung für Presales auf Produktseite (im Gegensatz zur Serviceseite) war, lag ein besonderer Fokus auf den Produkten der Funktechnik, d.h. die Verbindung des mobilen Endgeräts mit der Basisstation, deren Aufbau, Aufgaben und Funktionsweise. Ebenso standen die neueren Technologien LTE/4G und 5G (letztere wird erst in 2-3 Jahren verwendet werden können) im Mittelpunkt. Nachdem ein grundlegendes Verständnis für dieses Thema geschaffen war, sollte ich für meinen Betreuer eine Zusammenfassung über den Vorgang der Umstellung vom aktuellen LTE/4G auf 5G verfassen, den er für einen Kunden benötigte. Weitere Arbeiten wurden spezifisch auf die Tätigkeit der Abteilung fokussiert: Das Vorbereiten eines Angebots für einen Kunden anhand von dessen Anforderungen, der Marktlage und der Arbeit anderer Abteilungen. Dabei geht es zum einen um die Auswahl geeigneter Konfigurationen von Produkten aus der gewaltigen Produktpalette Nokias (ca. 80000 Produkte), zum anderen um das Definieren eines Preises für diese. Schlussendlich war meine Aufgabe den ersten Teil dieses Prozesses (Wahl von Konfigurationen) für ein erfundenes Beispiel durchzuführen. Dies war aufgrund von Geheimhaltungsanforderungen das maximal mögliche für einen Nicht-Nokia Mitarbeiter.

Woche 2:

In dieser Abteilung wurde das Erlernte praktisch angewendet: Hier wird die Software der Basisstationen, die sowohl in realen als auch in simulierten Ausführungen vorliegen, unter maximaler Belastung getestet. Somit stand als erstes eine kurze Führung durch die Halle mit den Versuchsobjekten –firmenintern nur als „platform“ bezeichnet- an. Diese sieht auf den ersten Blick aus wie ein Rechenzentrum, jedoch in befinden sich in den Schränken größere Radio- und System-Module (Siehe Bild). Anschließend wurde ich in die grundlegende Steuerung der Basisstationen der bereits relativ alten 2. Generation (2G), um die sich die besuchte Abteilung kümmerte, eingeführt. Dies erwies sich als deutlich schwieriger als zunächst gedacht, da zum einen kein graphical-user-interface (GUI) verwendet wird und ich zum anderen nur mit den Grundbegriffen aus der LTE/4G Technologie vertraut war, die komplett verschieden von der 2G Technologie sind. Nachdem ein Grundverständnis geschaffen war, zeigte meine Betreuerin mir anhand zweier Beispiele an größtenteils simulierten Testobjekten, welche Art von Testläufen durchgeführt werden können. Hierbei handelt es sich um sehr langwierige Prozesse, wodurch sie meist am Arbeitstag ausgewertet und wieder vorbereitet werden und dann über Nacht durchgeführt werden müssen. Leider konnte ich aus Sicherheitsgründen nie komplett selbstständig Tests durchführen, sondern immer nur unter Aufsicht. Abschließend zeigte mir ein Kollege aus einer anderen Abteilung einen ähnlichen Versuchsaufbau in kleinerem Maßstab und mit einer Überlagerung der 2G und 4G Technologie, wie sie auch in den deutschen Netzen Verwendung findet. In diesem Fall war jegliches Equipment real vorhanden, von der Verbindung ins Internet bis zum Smartphone als Benutzer (siehe Bild oben). Somit konnte hier auch direkt an der Hardware gemessen werden.

Spektrum-Analyse-Gerät ist an den Ausgang zur Antenne angeschlossen: Es zeigt die Bänder an, auf denen gesendet wird. Mitte: 20MHz LTE/4G-Bandbreite, rechts 200 KHz 2G-Bandbreite.

Woche 3:

Die letzte Woche unterschied sich von den vorherigen grundlegend durch das Thema: Hier spielte Mobilfunk gar keine Rolle, stattdessen die Robotik. In der sog. Garage soll Studenten die Möglichkeit gegeben werden, sich innovativ zu engagieren. Im Praktikumszeitraum beschäftigten sich die vier Studenten mit dem Bau eines Roboterarms, der nicht nur –mit Ausnahme der Servos- komplett aus selbstgedruckten Teilen bestand, sondern auch mit den restlichen Körperteilen, die in anderen Nokia- Garagen weltweit gebaut werden, zu einem vollständigen, humanoiden Roboter zusammen gesetzt werden kann. Dies geschah mithilfe einer Anleitung aus dem Internet, die allerdings für ein älteres Modell geschrieben war, wodurch sie nur Anhaltspunkte liefern konnte. Die Modelle der Teile konnten frei heruntergeladen werden. Ich durfte bei dem Mechanismus des Schultergelenks/Oberarms helfen: Da auch dieser nur aus Kunststoff besteht, der gedruckt nicht besonders glatt oder exakt ist, musste viel mechanisch nachgearbeitet werden (feilen, schrauben, kleben. löten etc). Da kaum angemessenes Werkzeug vorhanden war (z.B. kein Akkuschrauber), nahm all dies viel Zeit in Anspruch.

Fazit

Ich erlebte 3 gelungene Wochen. Gerade durch die große Vielfalt der besuchten Abteilungen waren sehr verschiedene Einblicke in das Arbeitsleben in einer einzigen Firma möglich: Vom Organisieren verschiedener Excel-Tabellen bis zum Zusammenschrauben eines kleinen Getriebes ergaben sich vielfältige Lernbereiche. Speziell im eher abstrakten Bereich des Mobilfunks, der in der Schule ausgeklammert wird, konnte ich viele neue Einsichten gewinnen.

Einziger Negativpunkt ist, dass als Umgangssprache nicht Englisch, sondern Rumänisch am Standort gesprochen wird und einige Mitarbeiter wenig Englisch sprechen können. Dadurch wird die Arbeit im Team deutlich erschwert.

Dieses Praktikum ist für zukünftige TUMKollegiatInnen nur bei entsprechender Motivation zu empfehlen, da die Menge neuer Information, die in kürzester Zeit verstanden werden muss, nicht zu unterschätzen ist.