Am Mittwoch, den 23.10.2019, besuchten wir die „The Entrepreneurial University“ der TU München. Bei der „Entrepreneurial University“ bzw. der unternehmerischen Fakultät der TU München handelt es sich um die TUM School of Management, ein Komplex auf dem Stammgelände der TU in der Innenstadt Münchens. Die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät wurde 2002 gegründet und umfasst heute bereits ungefähr 40 Professoren und 4500 Studierende, Tendenz steigend.

Das Studium an der TUM School of Management befasst sich wie jedes andere wirtschaftswissenschaftliche Studium auch mit betriebswirtschaftlichen Zusammenhängen. Jedoch unterscheidet sich der Studiengang an der TU von denen anderer Universitäten hinsichtlich der Tatsache, dass technische Grundlagen und deren Anwendungen in der Wirtschaft ein bedeutender Schwerpunkt sind; nicht umsonst schließt man dort sein Studium mit einem Bachelor of Management and Technology ab. Der Studiengang richtet sich folglich an technisch versierte Studentinnen und Studenten, denen im Anschluss an das Studium eine Vielzahl an Berufsmöglichkeiten offen stehen, z.B. im Bereich der Finanzberatung, im Management oder bei der Start-up-Gründung. Dieses „technology-enhanced learning“ ist auch in einer immer weiter digitalisierten Welt notwendig, um wirtschaftlich mit IT-Riesen Schritt halten zu können. Ein solches Zusammentreffen von Technik und Wirtschaft wurde uns an einem hochaktuellen Beispiel veranschaulicht: den Kryptowährungen.

Im Vortrag zum Thema Kryptowährungen ging es zunächst um die Funktionsweise einer Blockchain und welche Techniken sie so sicher machen. Dabei wurden auch verschiedene Variationen angesprochen. Diesesind beispielsweise bei der Verifizierung eines Blocks relevant, wie Proof-of-Work und Proof-of-Stake. Zudem wurden Vor- und Nachteile der Blockchain-Technologie erläutert. So eignet sich das dezentrale und hochtransparente System besonders für eine eindeutige und sehr sichere Methode zum Vermögenstransfer. Andererseits können zum Beispiel in der Bitcoin-Blockchain nur 5 Transaktionen pro Sekunde verifiziert werden, die auch noch ein Vielfaches der Energie einer normalen Kreditkartentransaktion erfordern. Deshalb sind öffentliche Blockchains nur schwer skalierbar. Im Anschluss wurden verschiedene Anwendungen dieser Technologie diskutiert. Dabei behandelte der Vortragende zunächst sogenannte Initial Coin offerings (ICO). Bei dieser Finanzierungsmethode für Startups gibt der Gründer Utility Tokens, die über die Blockchain gesichert sind, für einen Preis an Investoren aus. Diese Utility Tokens können dann später vom Investor für Auszahlungen eingelöst oder gehandelt werden. Für die Wirtschaftsforschung ist hauptsächlich relevant, wie riskant Investitionen in diese ICOs sind, da diese kaum reguliert werden können und kaum bis keine klaren Rechte für den Investor garantieren. Eine weitere Anwendungsmöglichkeit von Kryptowährungen bestand in der Digitalisierung der Essensmarken des World Food Program (WFP). Die Lösung über die Blockchain spart zum einen Materialkosten für das WFP und gewährleistet gleichzeitig, dass die Essensmarken nicht gestohlen werden können, da sich die Personen per Irisscanner ausweisen müssen.

Der Vortrag zum Thema künstliche Intelligenz (KI) befasste sich zunächst mit den Gefahren der Digitalisierung und der Angst von Unternehmern und der Bevölkerung vor KI. Dabei wurden wir über mehrere weit verbreitete Unwahrheiten beim Thema KI aufgeklärt. So ist eine generelle KI etwa mit der aktuellen Technik noch weit entfernt. Niemand kann eine Vorhersage treffen bis wann eine solche Technik entwickelt werden wird. Trotzdem ist das kein Grund, das Thema zu ignorieren und als ferne Zukunftsmusik abzutun, da wir mindestens genauso wenig über die ethischen und sicherheitstechnischen Implikationen wissen.

Das TUMKolleg bei einer Simulation zu „Experimental Economics“

Nach der Mittagspause wurden wir in das Gebiet der „Experimental Economics“ eingeführt. Dabei befassten wir uns mit dem Bild des „Homo Oeconomicus“, dem ökonomischen Menschen. Dieser wirtschaftlich idealisiert denkende Mensch will seinen Nutzen jederzeit maximieren, mit allen Mitteln die möglich und nötig sind und erinnert somit stark an das Klischee eines gierigen Unternehmers. Im Selbstversuch konnten wir im Anschluss überprüfen, ob wir in unserem Handeln diesem Klischee entsprechen. Dazu führten wir eine Computersimulation durch, in der wir die Möglichkeit hatten, mehr oder weniger Süßigkeiten zu gewinnen. Dazu wurde jeder Person entweder die Rolle des „Player A“ oder des „Player B“ zugewiesen, sodass immer ein Player A und ein Player B zusammenarbeiteten. Anschließend bot der eine Spieler dem anderen einen Teil des gemeinsamen imaginären Süßigkeitenvermögens an. Player B musste nun entscheiden, ob er mit dieser Aufteilung einverstanden ist, falls nicht gingen beide Player leer aus. Die Ergebnisse der Gruppe wichen dabei signifikant von der zu erwartenden Vorgehensweise des Homo Oeconomicus ab. Player A bot Player B in unserer Testgruppe meist eine sehr ausgeglichene Süßigkeitenaufteilung an, eine Vorgehensweise, die dem Homo Oeconomicus nicht in den Sinn käme, da dieser jeweils eine Gewinnmaximierung bzw. die maximale Ausbeute an Süßigkeiten anstrebt.

 

Wir bedanken uns im Namen des TUM-Kollegs bei allen Organisatoren und Beteiligten für diesen spannenden und lehrreichen Tag an der TUM School of Management.

Von Eric Gulbins und Jonas Treplin
Überarbeitung: Frederik Heidegger, Eric Gulbins, Jonas Treplin