„Vom Molekül zum Ökosystem“

Am 27.11.2019 hatten wir die Möglichkeit, einen Blick hinter die Kulissen des Wissenschaftszentrums Weihenstephan zu werfen. Dabei konnten wir viele interessante Dinge lernen oder sogar selbst auszuprobieren.

Nachdem sich die Anreise etwas schwieriger gestaltet hatte, wurden wir direkt von der Bushaltestelle von einer sehr netten Dame abgeholt, welche uns daraufhin das Gelände zeigte und uns interessante Einblicke in Geschichte und Funktion der einzelnen Gebäude gab. Die Führung ging in etwa eine Stunde und endete vor einem der Forschungsgebäude.

Dort hörten wir uns zwei Vorträge an: Einen über Weihenstephan selbst und einen über Fledermäuse und Agroforstwirtschaft.
Der erste Vortrag war in gewisser Weise eine theoretische Fortsetzung der Geländeführung. Wir bekamen zuerst einige Informationen über die Geschichte Weihenstephan. Interessanterweise ist Weihenstephan, obwohl es teil der TUM ist, älter als die TUM selber. Der Campus war tatsächlich früher einmal ein Kloster, in dem Mönche Wissen zusammen getragen habe, und sich vor allem mit der Kunst des Bierbrauen beschäftigt haben. Das hängt vor allem damit zusammen, dass in dieser Zeit kaum jemand Lesen bzw. Schreiben konnte. Klöster waren damals die einzigen Orte an denen komplexes Wissen in Form von z.B. Handgeschriebene Büchern aufbewahrt und weiter gegeben werden konnte. Die Fusionierung der TU und Weihenstephan erfolgte dann erst etwas später.
Diese Geschichte ist auch einer der Faktoren, der für das ganz eigene Ambiente auf dem Fakultätsgelände sorgt. Bei Weihenstephan treffen nämlich Tradition und moderne aufeinander und ergänzen sich dabei perfekt!

Der zweite Vortrag behandelte dann das Thema Fledermäuse und Agroforstwirtschaft. Auch wenn sich das anfangs vielleicht etwas langweilig und seltsam angehört hat, gehört dieser Vortrag mit zu den besten Vorträgen, die wir im Rahmen des TUM-Kollegs besuchen durften. Das lag vor allem auch an der Begeisterung und Leidenschaft, die die Referentin an den Tag legte.
Anfangs wurden wir durch einige Fakts an das Thema herangeführt. Es ist zum Beispiel so, dass in Deutschland zwischen 20 und 25 verschiedene Fledermausarten leben. Leider kann man das nie genau sagen, da immer mal wieder eine Art ausstirbt. Das große Problem der Fledermäuse ist nämlich ihr sich verkleinernder Lebensraum. Sie leben normalerweise oft in der Nähe von Gewässern und offenen Flächen und ernähren sich größtenteils von Insekten. Dabei Orientieren sie sich vor allem an signifikanten Linien und Formen. Hier kommt auch die Agroforstwirtschaft ins Spiel. In der heutigen Landwirtschaft ist Monokultur weit verbreitet. Vor allem Mais bedeckt oft Hektar weite Flächen, da er als Kraftfutter für Tiere, Lebensmittel für uns Menschen und auch als Biomasse für Biogasanlagen genutzt werden kann. Das Problem: Die Fledermäuse haben keine klaren Orientierungspunkte, es nicht besonders viele Insekten auf Maisfeldern und die Felder drohen bei leichtem Regen schon wegzuschwimmen, da sie keine Stabilisation durch z.B. Baumwurzeln haben. Bei der Agroforstwirtschaft werden jetzt einzelne Streifen zwischen den Feldern mit schnell wachsenden Bäumen bepflanzt. Der Vorteil: Der Boden wird stabilisiert, es wird neuer Lebensraum geschaffen und die Fledermäuse habe klare orientierungs-Linien. Und das beste: Die Bauern haben nicht mal ökonomische Nachteile, da durch das schnelle Baumwachstum alle 4 bis 5 Jahre Holz geerntet werden kann, das man ebenfalls weiter verkaufen kann. Danach muss man nicht einmal neue Bäume pflanzen, da diese einfach aus den alten Wurzeln wachsen.
In dem Vortrag wurde dann auch noch über alternative Nutzpflanzen zum Mais geredet. Dies würde aber hier den Rahmen sprengen.

Nach der Mittagspause wurden wir dann in zwei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe hatte die Möglichkeit, selbst Tabletten zu pressen, die andere wurde in das Thema der Proteinsynthese eingeführt.

In der Tablettenpressgruppe wurden wir zuerst mit einigem Fachwissen, wie dem Unterschied zwischen Tabletten und Kapseln, versorgt. Dann konnten wir aber endlich anfangen. Und tatsächlich war das Ganze einfacher als gedacht. Zuerst mussten wir einige Stoffe wie Menthol oder Süßstoff abwiegen. Diese wurden im Anschluss in einem speziellen Mischgerät vermischt und dann in die Tablettenpressmaschine gefüllt. An der Uni gab es ein relativ altes Modell, dass aufgrund der Performance nicht für die Industrie geeignet ist. Für solche Projekte ist es allerdings perfekt, da man jeden Schritt genau verfolgen kann. Raus kamen dann im Endeffekt perfekt geformte, runde Menthol Tabletten, die wir dann auch essen und mit nach Hause nehmen durften.
Bevor wir aber gehen konnten, mussten wir natürlich noch einige Qualitätskontrollen machen. Dabei wurden Werte wie die Bruchfestigkeit oder die Lutschdauer gemessen. Dabei kam heraus, dass unsere Tablette die Industriestandards in Sachen Lutsch Dauer leicht und in Sachen Bruchfestigkeit sogar um mehrere hundert Prozent übertrumpfte.
(Die gesamte Anleitung)

Alles in allem war es ein sehr spannender Tag und wir haben uns sehr darüber gefreut, tiefe, spannende Einblicke in die Fakultät Weihenstephan zu bekommen.